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Paderborn Untouchables vs. Bonn Capitals 15:5 (7) und 6:1
Capitals müssen zum deutschen Meister

von Wolfgang Schulz

Es sollte ein Duell auf Augenhöhe werden, aber es wurde zu einem Desaster für die Bonn Capitals. Zwei Siege gegen Paderborn mussten her, um den zweiten Platz im Norden noch zu erreichen und damit den Heidenheimern in den Playoffs aus dem Weg zu gehen. Das war der Plan der Bonner, als sie gestern zum Tabellennachbarn nach Paderborn fuhren. Am Ende des Tages aber blieb die Erkenntnis, dass die Bonner zur dritten Kraft in der Bundesliga Nord aufgestiegen sind, aber mehr auch nicht.

Spiel 1: Schwacher Start für Henkenjohann
Wie sehr die Bonn Capitals in dieser Saison von Tim Henkenjohann abhängig waren und noch sein werden, zeigte sich ganz deutlich im ersten Spiel. Bei tropischen Temperaturen im Ahorn Sportpark zeigte Henkenjohann zum ersten Mal in dieser Saison ungewohnte Schwächen. Walks, Wildpitches, Passed Balls, massive Errors in der Defense und dazwischen eingestreut ein paar gut platzierte Hits der Paderborner. Nach zwei Innings stand es sage und schreibe 7:0 für Paderborn. Zwar konnten die Bonner in der oberen Hälfte des dritten Innings auf 7:3 verkürzen und es keimte kurzfristig etwas Hoffnung auf, aber diese wurde in der unteren Hälfte von den Paderbornern regelrecht zetrümmert.

Gerade hier zeichnete sich ein weiteres Problem der Bonner Abhängigkeit von Henkenojohann ab. Es ist nicht nur seine Dominanz und die Kontrolle, es ist auch seine Ausdauer. Sowohl von ihm als auch seines amerikanischen Mitspielers, Bryce Schoening. Beide Pitcher warfen in der ganzen Saison fast immer über die volle Distant, so dass die Reliefpitcher kaum zum Einsatz kamen. Die mangelnde Spielpraxis zeigte sich gestern in gnadenloser Deutlichkeit. Der im dritten Inning eingewechselte Leftie René Wolf wurde regelrecht vom Mound gefegt. Walks, Single, Doubles wechselten sich munterer Folge ab.

Sieben Runs im dritten Inning für die U´s bedeuteten das Ende aller Träume der Caps und ließen einen völlig desillusionierten Wolf auf dem Mound zurück. Erst der beim Stande von 14:3 eingewechselte Eddie Stommel brachte Ruhe in das Geschehen und ließ mit seinen Sidearmwürfen nur noch einen Run in den nächsten drei Innings zu.

Das aber auch Eugen Heilmann nicht seinen besten Tag hatte, zeigte sich daran, dass auch er insgesamt 13 Hits kassierte, aber eben nur fünf Runs.

Game 1

R H E LOB
Bonn Capitals 003 110 0 5 12 4 6
Paderborn Untouchables 257 100 X 15 12 1 6

WP: EHeilmann (9-1), LP: Henkenjohann (8-2)
Nsien (BON) 3 for 4; Weller (BON) 2 for 4, 2B; Marshall (BON) 2 for 4, 2B, 3B; Schulz (BON) 2 for 3; Speer (PAD) 3 Runs; Kosach (PAD) 2 for 3, 4 Runs; Franke (PAD) 2 for 4, 3 RBI; Schumacher
(PAD) 2 for 3; Neuhäuser (PAD) 2 for 3
Stommel (BON) 3.1 IP, 1 R, 0 ER

Spiel 2: U‘s nutzen Bonner Unkonzentriertheiten
Dass die Capitals sich mit den U´s auf Augenhöhe messen können, zeigte über weite Strecken das zweite Spiel. Ein Pitcherduell zwischen dem wie immer sehr solide pitchenden Bryce Schoening und Daniel Meier auf Paderborner Seite bescherte den Zuschauern ein trotz brütender Hitze spannendes Spiel. Bis zum Ende des achten Innings stand es 2:1 für Paderborn, aber bis dahin gab es einige Highlights zu verzeichnen. Sehr gutes Pitching und teilweise unglaubliche Aktionen in der Defense entschädigten die Zuschauer für das doch enttäuschende erste Spiel.

Hervorzuheben war hier der Catch von Simon Falke an Firstbase, der einen Linedrive von Jendrick Speer spektakulär aus der Luft fing und gedankenschnell zur Secondbase warf, um das Doubleplay zu vollenden oder Heiko Schumacher auf Paderborner Seite, dem man aufgrund seiner Körperfülle nicht zutraut, dass er im Outfield auch nur einen Ball erläuft. Aber er belehrte jeden Nicht-Kenner eines Besseren. Sagenhaft, mit welcher Geschwindigkeit und Beweglichkeit er weite Schläge von LaCasse und Marshall erlief, die die mitgereisten Bonner Zuschauer schon als Double oder Triple gesehen hatten.

Aber neben viel Licht gab es auch Schatten. Dass ein Pitcher (Bryce Schoeining) mit Läufern auf Second- und Thirdbase den Ball vom Catcher zurückbekam, sich rumdrehte um sich um den Läufer an der zweiten Base zu kümmern und es damit dem Paderborner Mitch Franke ermöglichte unbehelligt zum 2:0 nach Hause zu kommen.

Nach dieser 2:0-Führung verkürzten die Caps postwendend im nächsten Inning durch ein RBI-Groundout von Marcel Schulz auf 2:1. Aber das war es dann auch mit der Offense auf beiden Seiten bis zum achten Inning. Hier zeigte Schoening zum ersten Mal Schwächen, die von den Paderbornern konsequent zu vier Runs ausgenutzt wurden.

Genau dies zeichnet eine Spitzenmannschaft aus. Wenn es in der Offense durch gute Pitchingleistung des Gegners nicht gut läuft, muss man bis zum Schluss geduldig auf die Fehler des Gegners warten, und diese dann gnadenlos in Punkte umwandeln. Hier fehlt den Capitals noch einiges, um mit den großen zwei (Solingen, Paderborn) auf einer Stufe zu stehen.

Game 2

R H E LOB
Bonn Capitals 001 000 000 1 4 1 10
Paderborn Untouchables 110 000 04X 6 9 2 5

WP: Meier (7-4), LP: Schoening (5-6), S: Hinz (2)
Uelschen (PAD) 2 for 4; Franke (PAD) 2 for 4
Schulz (BON) 1.0 IP, 3 K; Meier (PAD) 7.1 IP, 1 R, 1 ER

Damit steht fest, dass Bonn in der ersten Playoffrunde auf die Heidenheim Heideköpfe trifft. Vielleicht holt sich Tim Henkenjohann über die EM seine gewohnte Souveränität wieder zurück und Bonn kann gegen die Heideköpfe für einen Überraschung sorgen.

05.07.2010/ws