A job well done: Gegenseitiges Gratulieren der Paderborner nach dem 6:3-Erfolg (Foto: Helleken, F.)

Die Saison ist vorbei und somit geht auch der Spieler der Woche in die wohlverdiente Winterpause. Damit in der Zeit nicht nur aus dem Fenster gestarrt wird, während man auf den Frühling wartet, wird an dieser Stelle jede Woche ein archivierter Spielbericht veröffentlicht.

Den Anfang macht die Saison 2002. Im Finale standen sich die Cologne Dodgers und Paderborn Untouchables gegenüber. Martin Helmig hatte das Kommando bei den Unberührbaren und ging als amtierender Meister in die Best-of-Three-Serie gegen die Kölner.

Untouchables stehen vor der Titelverteidigung

von Franz-Werner Krausgrill und Frank Helleken

Köln (2002) – Runde eins ging an die Unberührbaren. Mit der Klasse eines amtierenden Meisters und beachtlicher mentaler Stärke im Gepäck gewannen die Paderborn Untouchables das erste Spiel der Best of Three-Serie um die Deutsche Meisterschaft 2002 bei den Cologne Dodgers mit 6:3. Drei Runs im achten Inning drehten ein bis dahin auf des Messers Schneide stehendes Spiel wieder zu Gunsten der Gäste. Martin Helmigs Mannen ebneten dabei den Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung, während sich die personell geschwächten Kölner vor allem bei sich selbst bedanken durften, dass es nicht zum Sieg reichte.

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A job well done: Gegenseitiges Gratulieren der Paderborner nach dem 6:3-Erfolg (Foto: Helleken, F.)

Was macht ein Spitzenteam aus? Und warum sind die Paderborn Untouchables auf dem besten Weg, ihre dritte Deutscher Meisterschaft zu gewinnen. Den gut 700 Besuchern im Müngersdorfer Baseballstadion war nach den weitgehend spannenden, wenn auch nicht immer hochklassigen neun Innings indes klar, warum die Ostwestfalen heuer das Maß aller hiesigen Baseball-Dinge darstellen: Aus den Fehlern des Gegners direkt Kapital schlagen und sofort zurückschlagen wenn der Gegner denkt, er habe die Partie im Griff. Diese Fähigkeit und dazu eine kleine Portion Arroganz und Selbstsicherheit sorgten am Einheitsfeiertag dafür, dass den tapfer kämpfenden, aber vor allem am Schlag wenig überzeugenden Domstädtern am Ende nur die Hoffnung auf ein kleines Baseballwunder, nämlich zwei Siege in der Paderborner Höhle des Löwen bleiben.

Angstgegner nennt man es in anderen Sportarten gerne, wenn ein Team gegen ein anderes einfach nicht gewinnen kann. Nun, die Angst spielte auf Kölner Seite sicherlich keine Rolle, wohl aber das Einsehen, dass den Untouchables auf normalem Weg, sprich ohne Unterstützung des Gegners, nicht so schnell beizukommen ist. Zu groß sind die Auswahlmöglichkeiten Helmigs im Vergleich zu denen, die seinem Kölner Counterpart Mike Herakovic zur Verfügung stehen, wenn es um taktische Raffinessen und Wechselspielchen geht. Herakovics Schicksalsgemeinschaft überlebte einen drohenden Lizenzentzug ebenso wie die Play-off-Gegner aus Heidenheim uind Regensburg. An den No Nonsense-Paderbornern, die durch den Auftakterfolg ihre Siegesserie gegen Köln auf sieben Spiele ausbauen konnten, biß sich die kölsche Frohsinnsfraktion bislang die Zähne aus.

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Unter Strom stand Paderborns Stefan Fechtig von Beginn an. Umpire Marc Zwikirsch nahm's gelassen (Foto: Helleken, F.)

Das erste Inning war noch nicht einmal zu Ende gespielt, da hatten die U’s bereits zwei Zähler auf dem Konto. Glen Buckley punktete nach einem Double des starken René Herlitzius (3 for 5) zum ersten Run wenig später lief der lange Blonde nach einem Bloop-Single von Jendrick Speer (2 for 2) selbst den zweiten Run nach Hause. Kölns Pitcher Frank Stattler, nach eigenem Bekunden noch nicht ganz fit, hatte kaum richtig auf dem Wurfhügel Platz genommen.

Sein Gegenüber und ewiger Widersacher Stefan “Red” Fechtig machte den Kölner Schlagmännern von Beginn an ordentlich Dampf und ließ erst im dritten Inning einen Baserunner zu. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Dodgers-Defense schon mehrmals Unsicherheiten verraten, die Catcher Matthias Winterrath mit einem verzogenen Wurf ans dritte Base “krönte”. Erneut Herlitzius markierte den dritten Runs nach “Matzes” Mißgeschick. Drei Innings gespielt, drei Runs für Paderborn – es hatte den Anschein, als hätte Herakovics Truppe den Beginn des Spiels komplett verschlafen. Paderborn aggressiver, immer auf ein Stolen Base bedacht und generell einen Schritt schneller, wenns ums Laufen ging.

Die durch den Ausfall des etatmässigen First Basemans Marc Hilgenstock umgestellte Kölner Verteidigung (Christian Klein rückte auf 1B, Tim Zimmermann übernahm die Rolle des DH) stabilisierte sich jedoch im weiteren Verlauf der Partie. Zwei Paderborner wurden auf den Bases ausgemacht. Kölns bester Schlagmann, Centerfielder Christian Dornscheidt (3 for 4), eröffnete den fünften Abschnitt seiner Mannschaft mit einem Single, dass Marc Marsch prompt zu einem folgenden Double Play-Pop Up verleitete. Der gerade zum Militärdienst berufene Dominik Wulf beschwor nach einem weiteren Hit dennoch Gefahr herauf. Als sein Teamkamerad Justin Ott nach einem Speer-Fehler aufs erste Base kam, wankte die Paderborner Verteidigung derart, dass Wulf nach einem unglücklichen Wurf aus dem Outfield nicht nur das dritte Base, sondern nach “erfolgreicher” Kollision mit U’s Catcher Georg Bull auch gleich die Homeplate für sich reklamieren konnte – 1:3.

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Out oder Save? Octavio Medina mit den Fingerspitzen auf dem Base, der Tag von Kölns Dominik Wulf kommt einen Tick zu spät (Foto: Helleken, F.)

Köln war jetzt im Spiel, während Fechtig (5 IP, 1 ER) anfing, in bewährter Art und Weise mit Gott und der Welt zu hadern. Helmig hatte wohl das Gefühl, dass sein temperamentvoller Pitcher ein kleines Päusschen brauchte. Wie sonst war es zu erklären, dass Eugen Heilmann im sechsten Durchgang die Pitcher-Bühne betreten durfte. Die Dodgers wird es gefreut haben, schnell hatte man nach einem Zimmermann-Double zwei Mann auf Base. Wer sonst als Dornscheidt verkürzte den Gästevorsprung mit einem RBI-Single prompt auf einen Run. Und wer weiß, wie das Inning geendet wäre, hätte sich Zimmermann nicht kurz darauf von der U’s-Defense am dritten Base übertölpeln (erfolgreicher Pickoff von Bull) lassen? So hatte die Paderborner Führung Bestand.

Wenn auch nur bis ins siebte Inning, welches Heilmann als Chef der Defense fortsetzen durfte, obwohl sich US-Closer Chris Gannon Gewehr bei Fuß geworfen hatte. Es folgte der erste und einzige Auftritt des Dodgers-Sluggers Carlos Sanchez, den Helmig bis dato (HP/BB) gut unter Kontrolle gebracht hatte. Heilmann versuchte es gegen “Carlito” mit einem Slider, der wahrlich nicht von schlechten Eltern war. Sanchez hingegen besann sich auf seine besten Golfspieler-Qualitäten und hämmerte das Leder in bestem Driving Style in die Rightfield-Baumwipfel. Deja vu für Heilmann, der Sanchez unlängst bei den German Open in Regensburg ein Grand Slam Homer serviert hatte. Diesmal gab es freilich nur einen Zähler für den bulligen Leftfielder der Kölner – 3:3, neues Spiel, neues Glück.

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Aus die Maus: Jason McCarters Flyball wird gleich von Oliver Neisemeier im Rightfield gefangen. Ball Game! (Foto: Helleken, F.)

Wer allerdings gedacht hätte, die Dodgers würden das wiedergefundene Momentum über den Rest des Spiels retten können, der sah sich schnell getäuscht. Paderborn setzte nach und damit die Kölner Verteidigung unter Druck. Ein Walk für Buckley, ein Single von Herlitzius – Alarmstufe Eins bei den Gastgebern, die sofort reagierten und US-Boy Jason McCarter für Stattler (7 IP, 4 ER) als Brandbekämpfer aufs Feld schickten. U’s-Trainerfuchs Helmig antwortete seinerseits mit einem Buntversuch durch Speer, den Klein prompt nicht schnell genug zum dritten Base befördern konnte – Bases loaded, kein Aus. Als Nächster nutzte Bull die sich bietende Chance. Zwar verhinderte Kölns Shortstop Justin Ott bei Bulls Grounder durch die Mitte mit einer tollen Reaktion weitere Runs, sein Wurf an die Homeplate konnte das 3:4 dennoch nicht unterbinden.

Ein guter Zeitpunkt für Fechtig, sich nochmals in den Annalen des Spiels zu verewigen. “Der Rote” machte seinem Namen als perfekter Allrounder alle Ehre und besorgte mit einem Opferschlag ins Rightfield das 3:5. Schnell noch ein Steal hinterher und Catcher “Matze” Winterrath mußte hilflos mit ansehen, wie Speer vom dritten Base aus den sechsten Umlauf seiner Paderborner Mannschaft vollendete. Drei Runs Vorsprung, ein frischer Chris Gannon auf dem Wurfhügel, was sollte da noch passieren? Nicht viel. Einer letzten Kölner Drohgebärde im neunten Inning machte Reserve-Rightfielder Oliver Neisemeier mit dem Schlußcatch der Partie (Flyout von McCarter) den Garaus.

Ausgerechnet Heilmann bekam nachher den statistischen Sieg zugesprochen, während sich Gannon ein Save notieren durfte.

Spiel 1                 R H E
PAD  2 0 1 0 0 0 0 3 0  6 9 1
COD  0 0 0 0 1 1 1 0 0  3 9 1